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Flinkster

Rennsemmel

Rennsemmel

Ich gehöre zu den Menschen, die kein Auto haben, dass die ganze Woche unbenutzt rumsteht oder nicht bewegt wird, weil man gerade mal einen Parkplatz gefunden hat. Ich düse meistens bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad durch München und in die Ferne geht es mit Bahn, Mietwagen oder Flugzeug.

Bei Wind & Wetter macht es natürlich nicht immer Spaß mit dem Fahrrad unterwegs zu sein und schon gar nicht, wenn es sich um Strecken im zweistelligen Kilometerbereich handelt. Wie praktisch, dachte ich, als ich plötzlich vor einem rot weißen und mit dem Namen „Flinkster“ gebrandeten Auto stand. Ein Auto, das ich, wann immer ich will, per Telefon oder App ausleihen kann und von dem es in München so viele gibt, dass auch in meiner Nähe fast immer eins frei ist. Also nichts wie angemeldet und einen Selbstversuch gestartet.

Der Selbstversuch hat sich mittlerweile auf mehrere Fahrten ausgedehnt, zwischendurch hatte ich fast eine Standleitung zum Servicecenter und die gedachte Flexibilität ist dank diverser technischer Probleme des Öfteren mal abhanden gekommen.

Fahrt Nummer 1
Per App gebucht. 15 Minuten vor Fahrtantritt gibt es immer eine SMS mit dem aktuellen Standort. In diesem Fall war es der Rosa-Aschenbrenner-Bogen in München, der dank Google Maps auch ganz leicht zu finden war. Weniger leicht zu finden war das Auto. Nach 5 Minuten suchen, führte der Griff zum Handy um die Hotline anzurufen.

„Ja, das GPS-Signal ist leider noch sehr ungenau. Das Auto steht in der Elisabethstraße.“

Prima, ist ja nur eine Viertelstunde Fußweg von der eigentlichen Stelle entfernt. Und ja, wie nett, dass ich erst ab dem Zeitpunkt bezahlen muss, ab dem ich das Auto gefunden habe. 20 verpasste Minuten sind übrigens für Terminplanungen, die sich auf flexible Autos verlassen, nicht optimal. Immer gut, dass man im Selbstversuch eine halbe Stunde Puffer einbaut.

Fahrt Nummer 2
Die Lehre aus der ersten Fahrt war, dass ich mir ein Auto ausgesucht habe, das quasi direkt vor der Tür stand. Hat sehr gut geklappt. Mit der kleinen Rennsemmel bin ich dann auch von Termin zu Termin gefahren, um es am Abend im Quartier wieder abzugeben. Quartier bedeutet, dass die Autos in einer von Flinkster definierten Zone, genannt „Quartier“, wieder abgegeben werden müssen. In München gibt es davon einige, ist daher kein Problem. In diesem Fall offenbarte sich das Problem die Herausforderung beim Abgeben, dazu ein kurzer Exkurs, wie das Leihen eigentlich funktioniert. Man leiht sich das Auto aus, in dem man die erworbene Flinkster Karte an einen kleinen Computer unten links an die Heckscheibe hält, es macht Klick und das Auto öffnet sich. Im Handschuhfach findet sich dann der Schlüssel. Der Rest ist wie bei jedem anderen Auto auch. Die Rückgabe läuft in der umgekehrten Reihenfolge: Schlüssel in die vorgesehene Aparatur im Handschuhfach stecken, Autotür schließen und Karte wieder an die Heckscheibe halten. Das Auto schließt sich. Normalerweise. Bei mir hat sich bei Fahrt Nummer 2 leider nichts getan. Noch einmal zwei Versuche gestartet, um dann doch wieder die Hotline anzurufen und alles noch einmal durchzugehen.

„Haben Sie auch alle Fenster zugemacht und den Schlüssel richtig zurückgesteckt?“

„Aber sicher, aber wir können gerne nochmal alles durchspielen.“

Nach 20 Minuten, gefühlten 20 Mal Schlüssel reinstecken, Tür zu machen und Karte an den Computer halten, hat die Rückgabe dann geklappt. Warum es 20 Anläufe gebraucht hat, war nicht zu erklären.

Fahrt Nummer 3
Kam quasi gar nicht zustande, da niemand wusste, wo das Auto stand und das System von Flinkster sich komplett verabschiedet hatte. Dumm nur, das nirgendwo eine Info zu lesen war, weder in der App, noch auf der Internetseite, noch auf dem bereits existierenden Twitter-Account. Dahin die Flexibilät und hier auch leider meine Pünktlichkeit. Ich habe die Fahrt storniert und bin auf die Bahn umgestiegen.

Mittlerweile komme ich auf 6 Fahrten innerhalb der letzten Wochen. Mein Geduldsfaden war zwischenzeitlich kurz vorm Zerreißen, aber so lange er hält…

Mein Fazit ist, dass sich die Hotline und damit der Service wirklich Mühe geben (ok, klingt in einem Zeugnis nicht so gut, ist in diesem Fall aber durchaus ehrlich gemeint). Es hakt an der Technik und das wird leider nicht offen kommuniziert. Wo ist das Problem auf die Testphase hinzuweisen? Die „Early Adopter“ honorieren das, testen freiwillig, geben Feedback und helfen beim Verbessern. Das ist noch ausbaufähig. Das Timing und die GPS-Funktion auch. Ich kann nicht immer eine halbe Stunde vorab mit einplanen, um mich auf Autosuche zu begeben. Nach hinten raus ist eine Stunde bei dem Münchner Verkehr und unvorhergesehenen Ereignissen übrigens auch ratsam, sonst hat man schnell eine Strafgebühr von 50 € auf der Rechnung stehen.

Ein Zeit-Artikel hat die neue Flexibilät in Sachen Mobilität übrigens ganz gut beschrieben:

„Ich lerne: Der mobile Mensch darf nicht den Überblick verlieren.“ (= Autosuche)

„Ich lerne: Der mobile Mensch muss wohlhabend oder sehr gut organisiert sein.“ (= Strafe für das zu späte Abgeben)

„Ich lerne: Der mobile Mensch ist ohne sein Smartphone ziemlich aufgeschmissen.“ (= GPS-Ortung und lange Suche legt Akku lahm)

Und ich lerne, ich bin nicht allein.

» Zeit online: Mobil à la carte
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